Dr. Friederike Woog

Wildvögel und Vogelgrippe

Im Rahmen des Forschungsprogramms "Wildvögel und Vogelgrippe" förderte das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg landesweit vierzehn Projekte, darunter ein von unserer Ornithologin Frau Dr. Woog und ihren Mitarbeitern durchgeführtes mit dem Thema: "Zwischen Stadt und Wildnis: Wanderbewegungen der Stuttgarter Graugänse und ihre mögliche Bedeutung für die Ausbreitung der Vogelgrippe".

Dafür wurden entlang der Achse Tübingen - Stuttgart - Heilbronn alle Graugänse wöchentlich gezählt, die Farbringe der markierten Gänse abgelesen, sowie andere auf den Gewässern vorkommende Wasservogelarten erhoben. Dies ergab Aufschluss über die Wanderrouten der Gänse und somit der potentiellen Ausbreitungswege der Vogelgrippeviren. Das "Chemische und Veterinärmedizinische Untersuchungsamt der Stadt Stuttgart" analysierte jeden Monat Kotproben der individuell markierten Gänse auf aviäre Influenza sowie auf Parasiten. Teilaspekte des Projektes werden bis mindesten Ende 2011 fortgeführt, so das monatliche Monitoring des Kots auf Influenzavieren. 

Im Falle einer akuten Vogelgrippeepidemie dienen die Graugänse so als Frühwarnsystem. Während der jährlichen Mauserfänge wird den Tieren Blut abgenommen und untersucht, ob manche Tiere schon Antikörper gegen bestimmte Subtypen der Vogelgrippeviren besitzen. Dies würde auf eine bereits erfolgte Infektion hindeuten, die die Tiere aber überlebt haben.

Mehr Info unter http://www.wuv-bw.de.

Graugansfamilie am Max-Eyth See in Stuttgart
Graugansfamilie am Max-Eyth See in Stuttgart


Was tun bei Eis und Schnee - Winterökologie der Graugans in Stuttgart

Anders als die meisten nordischen Wildpopulationen zeigen die verwilderten Stuttgarter Graugänse bisher kein ausgeprägtes Zugverhalten und sind ganzjährig im Großraum Stuttgart anzutreffen. Im Winter 2004/05 wurde untersucht, wie und wo diese Graugänse den Winter verbringen. Von besonderem Interesse war dabei der Einfluss von winterlichen Witterungsbedingungen (Schnee und Eis) auf das Verhalten und die Kondition der Gänse. Das Untersuchungsgebiet umfasste den Rosensteinpark und die Unteren Anlagen im Stadtgebiet, sowie den Max-Eyth-See mit dem dortigen Neckarabschnitt. Seit 2002 werden die Graugänse jährlich während der Frühjahrsmauser am Max-Eyth-See mit Farbringen markiert. Im Winter 2004/05 hielten sich bis zu 159 Graugänse in mehreren Bereichen des Untersuchungsgebietes auf, regelmäßige Sichtungen von 58 beringten Individuen wurden anhand von Ringablesungen dokumentiert. Die Beweidungsintensität war am Max-Eyth-See höher als in den Parkanlagen, wobei die Gänse mittellange und grasreiche Vegetation bevorzugten. Die Hauptaktivitäten der Graugänse waren Fressen und Ruhen. Waren die Seen zugefroren, nutzten die meisten Gänse die Wiesen und offenen Wasserflächen am Neckar beim Max-Eyth-See. Bei geschlossener Schneedecke fraßen die Gänse deutlich weniger und ruhten häufiger als an schneefreien Tagen. Sie mussten dann von ihren Körperfettreserven zehren, was sichtbare Gewichtsverluste zur Folge hatte.

Abgeschlossene Diplomarbeit von Sonja Käßmann in Zusammenarbeit mit Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell und der Universität Hohenheim, Prof. Dr. H. Steidle

Graugänse suchen Gras unter dem Schnee (Sonja Käßmann)
Graugänse suchen Gras unter dem Schnee (Sonja Käßmann)


Forschung im Drachenbaumwald: Untersuchung der Tierwelt Madagaskars (Friederike Woog, Kathrin Marquart und Daniel Bartsch)

Madagaskar, die viertgrößte Insel der Erde, beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Viele Tiere und Pflanzen gibt es nur dort und in kaum einem anderen Land ist die Artenvielfalt auf kleinster Fläche so hoch wie in den tropischen Regenwäldern Madagaskars. Doch die Insel ist in Gefahr. Weite Teile der natürlichen Lebensräume sind zerstört, über 90 Prozent der ursprünglichen Wälder bereits abgeholzt. Hält diese Entwicklung an, wird in 20 Jahren der größte Teil aller intakten Wälder verschwunden sein. Um die verbliebenen Waldgebiete langfristig schützen zu können und verinselte Waldstücke wieder miteinander zu verbinden, sind Naturschutz- und Wiederaufforstungsprojekte notwendig.

Die Stiftung Natur- und Artenschutz in den Tropen (NAT) hat ein solches Projekt in Angriff genommen. Zusammen mit der madagassischen Regierung ist sie dabei, bei Andasibe im Osten Madagaskars ein Regenwaldgebiet von ca. 1600 ha Fläche als Schutzgebiet auszuweisen. Charakteristisch für diesen Wald sind die riesigen Drachenbäume, nach denen das Gebiet benannt ist: Der Drachenbaum-Regenwald von Maromizaha.

Im Herbst 2003 erforschten wir erstmalig die dortige Vogel- und Säugetierwelt. Ein Jahr später wurden zudem die Nachtfalter und Käfer Detailliert erhoben. Denn um das Gebiet effektiv schützen zu können, ist das Wissen über die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten von größter Bedeutung. Neben Beobachtungen mit dem Fernglas und Tonbandaufnahmen fingen wir die eher versteckt lebenden Vögel und Säugetiere in Netzen und Aluminiumfallen und ließen sie nach dem Vermessen, Wiegen und Fotografieren wieder frei.

Limis: links: Kathrin Marquardt mit Lebendfalle zum
Säugetierfang, rechts: Das Vermessen eines Mausmakis
Limis: links: Kathrin Marquardt mit Lebendfalle zum Säugetierfang, rechts: Das Vermessen eines Mausmakis

Um einmal gefangene Vögel auch in späteren Jahren wieder zu erkennen und so mehr über ihre Lebensweise zu erfahren, markierten wir sie mit einem Fußring. Wiederfänge von im Vorjahr beringten Vögeln geben uns Auskunft über die Ortstreue und kleinere Wanderbewegungen.

Limis: links: Vogelberingungstation im
Drachenbaumregenwald, rechts: Dr. F. Woog und ein madagassischer
Student mit einem Blauen Coua
Limis: links: Vogelberingungstation im Drachenbaumregenwald, rechts: Dr. F. Woog und ein madagassischer Student mit einem Blauen Coua

Von uns gesammelte Federn, Fell, Blut- und Kotproben können Auskunft über die Verwandtschaft der Tiere zueinander, ihre Krankheiten und ihre Nahrungsgewohnheiten geben. Außerdem vergleichen wir Tierarten, die nur im Regenwald leben können mit solchen, die auch auf bewirtschafteten Kulturflächen in der Nähe von menschlichen Siedlungen vorkommen.

Limis: links: Nektarvögel (Nectarinia souimanga
fliegen auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen, rechts:
Dieser Trugnektarvogel (Neodrepanis coruscans) kommt nur in
den Regenwäldern Ost-Madagaskars vor
Limis: links: Nektarvögel (Nectarinia souimanga fliegen auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen, rechts: Dieser Trugnektarvogel (Neodrepanis coruscans) kommt nur in den Regenwäldern Ost-Madagaskars vor
Limis: links: Mausmakis gehören zu den nachtaktiven
Lemuren, rechts: Die nur auf Madagaskar vorkommende
Quastenschwanzratte (Eliurus tanalla)
Limis: links: Mausmakis gehören zu den nachtaktiven Lemuren, rechts: Die nur auf Madagaskar vorkommende Quastenschwanzratte (Eliurus tanalla)

In den nächsten Jahren planen wir, die Wiederaufforstungsbemühungen in diesem Gebiet wissenschaftlich zu begleiten. Werden die Tiere in den neuen Wald zurückkehren?


Wissenschaftliche Bearbeitung und EDV-Erfassung der ornithologischen Sammlung

Um die Sammlung für unsere eigene Forschung und externe Wissenschaftler zugänglich zu machen, begannen wir im Jahr 1992 mit der Erfassung der Sammlungsbestände auf EDV. Mittlerweile sind 90 % aller Objekte digital erfasst, davon alle Daten über die aufgestellten Präparate, ca. 80 % der wissenschaftlichen Bälge und ca. 90 % der Eiersammlung erfasst.

Limis: Watvögel
Limis: Watvögel

Parasitenbelastung bei Graugänsen im mittleren Neckartal

Im Rahmen des Forschungsprogramms „Wildvögel und Vogelgrippe“ des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg wurde die Parasitenbelastung der Graugänse im Mittleren Neckartal untersucht. Dabei ging es darum festzustellen, mit welchen Parasiten die Gänse befallen sind, ob der Befall jahreszeitlich variiert, ob der Grad der Parasitierung den Körperzustand (gemessen in Form des Abdominalprofils) der Gänse beeinflusst und ob eine Variation mit dem Sozialstatus (Einzeltier, Paar, Familie), mit dem Dominanzstatus und /oder mit der Zahmheit eines Vogels zu erkennen ist.

Der Parasitenbefall der beprobten Gänse blieb im Rahmen der für Wildvögel bekannten Parasitenlasten. Die Vögel zeigten keine ausgeprägten Krankheitssymptome. Zudem konnte bei keinem Tier eine Dauerbelastung nachgewiesen werden. Befallene Gänse waren nicht dünner als nicht befallene, sozial untergeordnete Tiere waren ähnlich belastet wie höherrangige Tiere, dominante Gänse waren ähnlich belastet wie subdominante und die Zahmheit einer Gans beeinflusste ihre Parasitenlast nicht. Höhere Gänsedichten zum Beispiel zur Zeit der Mauser und die damit verbundenen verbesserten Ausbreitungsmöglichkeiten für Parasiten könnten für jahreszeitliche Anstiege in der Häufigkeit des Befalls verantwortlich sein. Neben der räumlichen Konzentration zur Mauser schien das Klima die jahreszeitlichen Unterschiede bei der Parasitenbelastung der Gänse zum Teil erklären zu können: Bei Trockenheit traten weniger Parasiten auf als zu Zeiten häufigen Niederschlags.

Abgeschlossene Diplomarbeit von Jana Lehmann in Zusammenarbeit mit Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell, der Universität Hohenheim, Prof. Dr. H. Steidle und Chemischem und Veterinärmedizinischem Untersuchungsamt (CVUA) der Stadt Stuttgart.

Kotprobennahme für Parasitenuntersuchung
Kotprobennahme für Parasitenuntersuchung

Katalog der Vogelfunde aus Baden-Württemberg

Eine detaillierte Bearbeitung der historischen Vogelpräparate aus Baden- Württemberg und Deutschland ermöglichte die Darstellung sammlungsübergreifender Statistiken und brachte einige bisher wenig bekannte Funde für Baden-Württemberg ans Licht. Ein im Museumsarchiv verwahrter, in Vergessenheit geratener historischer Katalog erlaubte uns, Funddaten zu ergänzen. Der neue Katalog ist veröffentlicht in den Jahresheften der Gesellschaft für Naturkunde: Woog, F., Haag, H. u. I.Heynen (2003): Die Vogelsammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart (SMNS) - Funde aus Deutschland mit Schwerpunkt Baden-Württemberg. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde Württemberg: 159, 205-263.

Katalog: Alter (unbrauchbarer) "Catalog der
väterländischen Sammlung" (Ausschnitt)
Katalog: Alter (unbrauchbarer) "Catalog der väterländischen Sammlung" (Ausschnitt)
Inventar: Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter überprüft
historische Daten
Inventar: Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter überprüft historische Daten
Schild: Etikett auf historischem Sammlungstück
Schild: Etikett auf historischem Sammlungstück

Vergleich der historischen und derzeitigen Verbreitung der Vögel des südlichen Afrikas (SABASE, gefördert im Rahmen von DIGIT, G

Besonders die älteren Sammlungsobjekte sind wertvolle Zeugen der Aktivitäten des Menschen, die an vielen Orten zu einem drastischen Verlust an Lebensräumen geführt haben. Zusammen mit südafrikanischen Ornithologen und unter Beteiligung zahlreicher Museen weltweit erarbeiten wir derzeit die ?South African Historic Bird Database (SABASE)?, die natur- und artenschutzrelevante Vergleiche der historischen und derzeitigen Verbreitung von Vögeln des südlichen Afrikas erlauben wird. Näheres auch unter http://www.gbif.org/Stories/STORY1103222009.


Populationsökologische Studie der Grauganspopulation im Großraum Stuttgart

Die erste Graugansbrut in Stuttgart wurde 1996 dokumentiert. Mittlerweile sammeln sich ab Juni bis zu 155 Graugänse unterschiedlicher Herkunft im Stuttgarter Stadtgarten, sogar vor der Oper sind sie zeitweise! Um herauszufinden, welche Tiere von wo kommen, ob sie sich in distinkte Teilpopulationen gliedern und wie ihr Bruterfolg ist, begannen wir im Jahr 2002 mit der Beringung (blaue Plastikfußringe mit Buchstabencodes SBA, SBB etc.). Bei der Erfassung der Wiedersichtdaten sind wir auf die Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter angewiesen. Wiedersichtdaten mit Beobachtungsdatum, -ort, -uhrzeit, dem Ringcode und der Gruppengröße können Sie bei oder schriftlich melden.

Graugans: Mitarbeiter des Museums beim Vermessen einer
Graugans
Graugans: Mitarbeiter des Museums beim Vermessen einer Graugans
Graugans: Graugans (Anser anser)
Graugans: Graugans (Anser anser)

Habitatnutzung und Dispersionsverhalten junger Steinkäuze (Athene noctua) im Landkreis Ludwigsburg

Gemeinsam mit der FOGE (Forschungsgemeinschaft zur Erhaltungeinheimischer Eulen e.V.) und der Universität Hohenheim besendertenwir junge Steinkäuze, um mehr über die ersten Monate im Lebendieser Vögel zu erfahren. Die Jungkäuze jagten überraschend häufigin Weinbergen und führten ab September große Wanderbewegungendurch, was diese als relativ stationär geltende Art in einem neuenLicht erscheinen lässt.

Sender: Junger Steinkauz mit Sender
Sender: Junger Steinkauz mit Sender
Peilung: Peilung besenderter Käuze mit Hilfe derRadiotelemetrie
Peilung: Peilung besenderter Käuze mit Hilfe derRadiotelemetrie
Sender: Herbert Keil (FOGE) befestigt einen Sender amVogel
Sender: Herbert Keil (FOGE) befestigt einen Sender amVogel

Erstellung eines Kataloges ausgestorbener und vom Aussterben bedrohter Vogelarten (in Vorbereitung)

Hawaiigans
Hawaiigans

Für die Planung von Artenschutzprojekten und Zuchtprogrammen ist das Wissen um die historische Verbreitung und genetische Diversität einer Art oder Population oft wichtig, um Managemententscheidungen treffen zu können. Dieser Katalog wird Artenschützern erlauben, Belegmaterial bedrohter Vogelarten schnell in unserer Sammlung zu finden.