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Herbarium

Unter einem Herbarium versteht man eine Sammlung von Pflanzen, die in getrockneter und gepresster Form vorliegen müssen. Aus diese Weise können Pflanzen nahezu unbegrenzt aufbewahrt werden. Die ältesten Herbarien sind über 400 Jahre alt.

Herbarien sind Archive und Datenquellen für wissenschaftliche Untersuchungen: auf jedem Herbarbogen sind Fundort und Datum genau vermerkt. So kann man zum Beispiel an Hand historischer Herbarbelege die Verbreitungsgebiete der in jüngerer Zeit ausgestorbenen Pflanzen rekonstruieren. Auch können Fachleute an den angegebenen Fundorten nachsuchen, ob die Art eventuell heute doch noch vorhanden ist. Außerdem dienen Herbarien als Grundlage für die Beschreibung und Abgrenzung von Pflanzenarten.

Das Herbarium des Staatlichen Museum für Naturkunde umfasst insgesamt 970 000 Einzelbelege. Davon entfallen auf:

  • Blütenpflanzen inkl. Farnpflanzen ca. 600 000
  • Moose ca. 140 000
  • Flechten ca. 100 000
  • Pilze ca. 120 000
  • Algen ca. 10 000

Es ist damit ein Herbar mittlerer Größe. Die weltweit größten Herbarien umfassen 7 Millionen (Kew bei London) bzw. 8 Millionen Belege (Paris).

Wie viele andere Herbarien blickt auch unseres auf ein beachtliches Alter zurück: Die ältesten Belege stammen aus dem Jahr 1743. Damals bereiste J. G. Gmelin zusammen mit dem Tübinger Gärtner A. W. Martini im Auftrag des russischen Zaren Sibirien. Martini sammelte dabei eifrig Pflanzenmaterial, und ein Teil dieser über 250 Jahre alten Belege gelangte an das Königliche Naturalien Kabinett in Stuttgart, der Vorläuferinstitution unseres Museums.

Das derzeitige Herbar setzt sich zusammen aus einigen großen, älteren Sammlungen von Privatleuten wie F. Hegelmaier, R. Gradmann, K. Bertsch, G. von Martens, A. Mayer oder K. Müller, die überwiegend im württembergischen Raum, aber auch weltweit als Sammler tätig waren. Auch in neuerer Zeit kommen immer wieder wertvolle Sammlungen hinzu. Ferner wird sämtliches Belegmaterial der wissenschaftlichen Tätigkeit der derzeit in der Abteilung arbeitenden Botaniker in unserem Herbar hinterlegt. Es steht damit künftigen Untersuchungen oder Überprüfungen zur Verfügung.

  • Sebald, O. (1983): Alexander Wilhelm Martini (1702-1781), ein Begleiter J. G. Gmelins auf der Sibirien-Reise, und sein Herbarium. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie A (Biologie) 368. 24 S. Stuttgart pdf zum download

Projekt Floristische Kartierung von Baden-Württemberg

Von den über 2100 wild wachsenden Pflanzenarten in Baden-Württemberg stehen mehr als ein Drittel (36,2 %) auf der Roten Liste, d. h. sie sind mehr oder weniger gefährdet und bedürfen des Schutzes. Schützen kann man aber nur, was auch bekannt ist. Aus diesem Grund führte die Botanische Abteilung des Naturkundemuseums in Stuttgart zusammen mit dem Naturkundemuseum in Karlsruhe eine floristische Kartierung durch, mit dem Ziel einer vollständigen Inventarisierung der Pflanzenwelt Baden-Württembergs.

Die Grundlage dieser Kartierung ist der Quadrant, der 1/4 eines Messtischblattes im Maßstab 1: 25 000 entspricht. Ein solcher Quadrant umfasst eine Fläche von ca. 5,5 x 6,5 km. Baden-Württemberg besteht aus ca. 1100 solcher Quadranten. In jedem wurden sämtliche Pflanzenarten und ihre Bestände erfasst. Eine langwierige Aufgabe und es so ist nicht verwunderlich, dass dazu mehr als 25 Jahre notwendig waren, obwohl neben den Botanikern der Naturkundemuseen noch über 200 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig waren.

Die Ergebnisse dieser Kartierung wurden in dem achtbändigen Werk "Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs" zusammengefasst. Neben den Verbreitungskarten enthält dieses Werk eine genaue Abgrenzung und Beschreibung jeder Art, Angaben zur Verbreitung, Ökologie und Gefährdung sowie einem Foto. Diese Bestandsaufnahme der Flora Baden-Württembergs und ihrer Gefährdung diente als Grundlage für die kürzlich überarbeitete und neu erschienene Rote Liste Baden-Württembergs und für das Artenschutzprogramm der Landesanstalt für Umweltschutz.

Im Zuge der floristischen Kartierung entstand nach und nach eine Datenbank von über einer Million Datensätzen. Sie wird am Stuttgarter Naturkundemuseum verwaltet und gepflegt.

Nun unterliegt die Flora ständigen Veränderungen: Neue Arten wandern ein, andere gehen zurück oder sterben leider ganz aus. Die Kartierung muss daher auch nach dem Erscheinen der acht Bände ständig aktualisiert werden. Das Ziel ist es, eine dauerhaft fortgeführte und aktuelle Datenbank der Flora Baden-Württembergs zu führen. Daher freuen wir uns, die aktuellen Daten jetzt als PDF-Dateien im Internet präsentieren zu können. Unser langfristiges Ziel ist es, einen neuen kompletten Kartierdurchgang durchzuführen.

  • Breunig, T. & S. Demuth (1999): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Baden-Württembergs. Fachdienst Natuschutz Naturschutz-Praxis, Artenschutz 2. 161 pp. Karlsruhe (LfU)
  • Sebald, O., S. Seybold & G. Philippi (1990-1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs Bde. 1-4. Ulmer-Verlag Stuttgart.
  • Sebald, O., S. Seybold, G. Philippi & A. Wörz (1996-1998): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs Bde. 5-8. Ulmer-Verlag Stuttgart.